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Zwei Jahre haben sich die vier
Norweger von Panzerpappa Zeit gelassen, um den Nachfolger von "Farlig
Vandring" einzuspielen. Die Zeit haben sie gut genutzt, denn "Korallrevens
Klagesang" ist um einiges abwechslungsreicher und eigenständiger ausgefallen,
und auch produktionstechnisch hat die Band große Fortschritte gemacht. Sehr
druckvoll und klar purzeln die Klänge aus den Boxen, die zudem noch durch eine
Vielzahl von Gastmusikern klanglich bereichert werden. Der bekannteste Gast ist
sicher das Canterbury-Urgestein
Richard Sinclair, der in "Vintervake" seine charakteristische Stimme
erklingen lässt.
Sinclairs kurze Anwesenheit auf "Korallrevens Klagesang" deutet schon die stilistischen Gefilde an, in denen sich die Musik des Albums bewegt. Im Grossen und Ganzen kreieren Panzerpappa mit "Korallrevens Klagesang" nämlich eine zeitgemäße Version des klassischen Canterbury-Sounds, wie ihn vor allem die Bands zu eigen hatten, in denen Sinclair vornehmlich tätig war (Caravan, Hatfield and the North).
Dabei kopieren Panzerpappa nicht. Es ist vielmehr dieselbe entspannte Atmosphäre, in der sich die jazzig-rockigen Klänge der Norweger bewegen, die die Gemeinsamkeit ausmacht (trotzdem habe ich als eines der Stilmerkmale auch Retroprog gewählt). Direkt wie Caravan oder Hatfield and the North klingt das Ganze nämlich nie. Bass, Gitarre, Tasten (darunter auch eine durchaus überzeugend klingende Midi-Mellotronimitation) und Perkussion erzeugen vornehmliche warme Klanggebilde, in denen das Sax Steinar Borves und die verschiedenen Blasinstrumente der Gäste solieren, oder die für sich allein komplex, pastoral und heiter-melancholisch dahingleiten. Jazz, Rock, Canterbury, etwas progressive Symphonik, ein paar volksliedhafte Einsprengsel, ein wenig Kirmes-Volkstanzstimmung, eine Prise Kammerrock, eine fast nur angedeutet Spur Rio-Schrägheit und ganz wenig Gefrickel tragen zu der Mischung bei, die die Band dem Hörer vorsetzt. Ab und zu wird die Musik ein wenig gefällig, wobei es die Band aber klar vermeidet seicht oder süßlich zu werden. Ansonsten wird munter musiziert, ausgenommen einige Momente mit skandinavischer Elegie ("Apraxia" z.B., in dem die weinende Säge Thomas Meidells für einen interessanten Effekt sorgt), und man hört den Beteiligten an, dass sie recht viel Spaß beim Einspielen dieser Nummern hatten.
Höhepunkte des Albums sind für mich das wunderschöne "Vintervake", welches durch Sinclairs Gesang Erinnerung an die besten Zeiten von Caravan weckt, und das lange "Frentisk Frenologi", in dem es die Band stellenweise verhalten krachen lässt (es gibt da sogar einige fast metallische Momente). Sehr schön sind auch die beiden ersten Teile des Titelstücks, welche durch die umfangreiche Gast-Bläserabteilung einen sehr kammerrockigen Anstrich bekommen (insbesondere "Korallrevens Klagesang II").
"Korallrevens Klagesang" ist eine deutliche Steigerung gegenüber "Farlig Vandring" und sollte eigentlich jedem zusagen, der Canterbury-inspirierte Klänge und jazzigen Retroprog (nicht nur aus Skandinavien) schätzt. Auch wer die Amerikaner von French TV mag (insbesondere deren neuere Alben), sollte hier einmal reinhören, auch wenn die Norweger es alles in allem etwas ruhiger als ihre US-Kollegen angehen lassen.
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Koralrevens klagesang
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